Was werden wir in 25 Jahren unseren Kindern antworten, wenn sie uns fragen, warum wir am 24. September 2017 nicht die Grünen gewählt haben?

Es ist gut möglich, dass uns unsere Kinder in 25 Jahren fragen werden, warum wir nichts aus der Geschichte gelernt und welche Partei wir eigentlich am 24. September 2017 gewählt hätten. Sie werden dann vielleicht die AfD im Kopf haben, mit denen an diesem Sonntag zum ersten Mal seit 1945 wieder Möchtergern-Nazis in den Reichstag einziehen werden (doch, in dieser Partei, die nur von ganz normalen Bürgern gewählt wird, gibt es auch kleine Nazis, man muss nur Björn-Bernd Höcke irgendetwas fragen). Vor allem aber werden unsere Kinder wissen wollen, warum wir nicht die Grünen gewählt haben, die an diesem Sonntag an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern könnten.

In 20 Jahren, wenn nicht nur die Malediven, sondern vielleicht auch Teile der Niederlande und von Niedersachsen im Meer versunken sein werden, der Klimawandel viele Regionen der Erde unbewohnbar gemacht und die größten Flüchtlingswellen der Geschichte verursacht haben wird, werden wir Sätze zu hören bekommen wie: „Aber die Grünen hatten doch immer recht. Wieso habt ihr nicht endlich einmal auf sie gehört?“ Wir werden dann etwas stammeln und zugeben müssen, dass die Grünen tatsächlich meist richtig gelegen hatten – ob Atomausstieg, Energiewende, Ehe für alle, Ernährung, Massentierhaltung, Plastikmüll, Vergewaltigung in der Ehe, Flugreisen, Dieselmotoren, lebenswerte Städte ohne Autos. Aber wir müssen dann zugeben, dass der FDP-Spitzenkandidat Christian Lindner einfach scharf aussah und richtig gut reden konnte. Und dass Angela Merkel immer eine gute Mutti gewesen und irgendwann ja auch ein bisschen grün geworden sei, wenn auch nur halbherzig. Aber die anderen Nationen hätten die Kriterien des Pariser Klimavertrags ja auch nicht mehr erfüllen können.

Wir werden erzählen, dass wir damals vor allem Schlagzeilen wie die in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ lasen, in der es hieß: „Die Grünen wollen Autos verbieten!!!!“ Mit vier Fragezeichen, so als stünde der Weltuntergang bevor, wenn freie Bürger in ihren SUVs nicht mehr grenzenlos Sprit verbrauchen dürfen. Und dass wir zustimmend nickten, wenn der „Spiegel“ lästerte, die Grünen würden nicht einmal mehr „den geringsten revolutionären Funken“ versprühen. Wir übersahen damals, dass da etwas nicht stimmen konnte, da die eine These die jeweils andere widerlegte.

Wir würden unseren Kindern sagen, dass an unserer Wahlentscheidung auch die Grünen selbst schuld seien. Sie seien die die größten Oberlehrer gewesen und hätten die penetrantesten Nervensägen in ihren Reihen gehabt. Wir würden ihnen auf Youtube alte Talkshows mit Claudia Roth zeigen. Und unsere Kinder würden uns diesen ganz alten Clip von der Deutschen Welle zeigen, in dem der 17 Jahre alte Gymnasiast und Jungunternehmer Christian Lindner wie jemand redet, der auf dem Schulhof dafür zu recht verprügelt wurde.

Trotzdem, würden wir sagen: Erst wollten uns die Grünen das Rauchen verbieten, dann das Fleisch essen und schließlich das Auto fahren. Das Leben sei doch auch Spaß. Die anderen Parteien hätten uns nie so bevormundet. Unsere Kinder werden dann entgegnen, dass die Unionsparteien uns jahrzehntelang sogar im Schlafzimmer bevormundeten, indem sie vorschrieben, welches Geschlecht man lieben durfte und welches nicht. Wir werden dann verwundert feststellen, dass der Staat tatsächlich einmal kinderlose Hetero-Paare steuerlich besserstellte als Familien mit gleichgeschlechtlichen Eltern. Und wir werden wieder das Gesicht von Angela Merkel vor Augen haben, mit dem sie auf einer Podiumsdiskussion diese Perversion der Familienpolitik entschuldigend weglächeln wollte.

Ganz am Ende der Diskussion mit unseren Kindern werden wir Manfred Güllner vom Umfrageinstitut Forsa zitieren, der stets vor einer „grünen Diktatur“ warnte und wenige Wochen vor der Bundestagswahl 2017 prophezeite: „Irgendwann liegen die ersten Grünen auf dem Schulhof, und irgendwann sind sie verschwunden.“

Unsere Kinder würden dann richtig wütend: Nur weil wir Angst vor ein bisschen grüner Didaktik gehabt hätten, seien bald alle verschwunden, nicht nur die Grünen, sondern auch Manfred Güllner und der Rest. Wir würden dann wenigstens auf diesen 25 Jahre alten Text verweisen, den wir zwar geschrieben, in unserem Blog aber nie veröffentlichten hatten, weil wir ihn damals viel zu pathetisch fanden. Na und, würden unsere Kinder fragen: Warum hätte man nicht pathetisch werden sollen, wenn alles auf dem Spiel steht?

Life could be a beautiful ride: 15 Wünsche eines Radfahrers

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Wer einmal mit dem Rad durch Kopenhagen gefahren ist und wieder nach Deutschland kommt, fühlt sich wie in einem Dritte-Welt-Land. Die dänische Hauptstadt ist das Paradies für Radfahrer. 60 Prozent der Kopenhagener fahren mit dem Velo zur Arbeit, weil es in der Stadt das beste Fortbewegungsmittel ist und Verkehrsplaner den öffentlichen Raum dafür ausgerichtet haben. Alle, wirklich alle, haben mehr Platz, sauberere Luft und sie leben nebenbei gesünder, während hierzulande über gestiegene Parkgebühren in der City gemeckert wird (was nicht das Ende der Welt ist, sondern ein erster Schritt zu lebenswerteren Innenstädten). Selbst als Atheist hat man den Glauben aufgegeben, dass man in deutschen Städten irgendwann ins Paradies kommt, aber man wird ja noch träumen dürfen. 15 Wünsche eines Radfahrers.

Ich wünsche mir, dass

  1. jeder Autofahrer hundert Mal die Zahl 150 auf einen Zettel schreibt. Mindestens so viele Zentimeter sollte der seitliche Abstand beim Überholen eines Radfahrers betragen. Das kann man gar nicht oft genug wiederholen.
  2. jeder Autofahrer hinter die 150 noch die Zahl 200 schreibt. Zwei Meter sind nämlich für alle Beteiligten sehr viel besser und bei Kindern, die überholt werden, gesetzlich vorgeschrieben.
  3. jede große Stadtstraße einen Radweg oder -streifen erhält.
  4. (wenn sich der zweite Wunsch nicht erfüllen lässt) Autofahrer akzeptieren, dass der öffentliche Verkehrsraum nicht nur ihnen gehört.
  5. zynische Politiker wie der ehemalige Verkehrsminister Peter Ramsauer nicht mehr angebliche „Kampfradler“ für den Untergang des Abendlandes verantwortlich machen, so lang weit mehr als zwei Drittel aller Unfälle zwischen Radfahrern und Autofahrern von letzteren verursacht werden.
  6. unterschieden wird: Ein „Kampfradler“ gefährdet vor allem sich selbst, während sich das Auto immer gegen andere richtet und die populärste Tötungsmaschine ist.
  7. der Begriff „Kampfradler“ so häufig verwendet wird wie das Wort „Neger“.
  8. Mountainbiker nicht mehr den blödsinnigen Vorwurf hören müssen, sie würden den Wald kaputt machen – und zwar von Spaziergängern, die erst mit SUVs und Dieselmotoren ins Grüne fahren und dann mit ihren grobstolligen Wanderstiefeln die angeblich von Gummireifen geschundenen Baumwurzeln weiter malträtieren.
  9. man für mehr und besser ausgebaute Radwege sein und trotzdem das Auto für eine tolle Erfindung halten kann (vor allem wenn es einen Radträger hat). Die allermeisten Radfahrer sind auch Autofahrer (und Fußgänger), während ein Kampfautofahrer, der beim Überholen weniger als 1,50 Meter Abstand hält, niemals ein Radfahrer sein kann, wie genetische Studien gezeigt haben.
  10. Autofahrer nicht mehr verrückt hupen, wenn eine achtköpfige Gruppe Rennradfahrer in Zweierreihen fährt. Das machen die Sportler nämlich auch deshalb, damit sie leichter überholt werden können, wie dieses Bild zeigt.

    Radgruppe Verkehr
  11. Spaziergänger Mountainbikern im Wald nicht spießbürgerlich hinterher rufen, sie hätten keine Klingel am Rad, wenn diese sich gerade durch lautes Husten bemerkbar gemacht und abgebremst haben. Husten ist das freundlichere Klingeln.
  12. Radfahrer wie in Frankreich an Kreuzungen bei Rot nach rechts abbiegen oder geradeaus fahren dürfen. In der Heimat der Tour de France hat dies zahlreiche Unfälle verhindert, da ein Großteil von ihnen in der Start- und Haltephase verursacht wird – und zwar nicht von Radlern.
  13. man Verständnis hat, wenn sich Radfahrer nicht an alle Verkehrsregeln halten. Einige sind lebensgefährlich, andere stammen aus dem Dritten Reich. Und der ADAC soll jetzt bitte nicht sagen: „Damals war aber nicht alles schlecht“.
  14. die Polizeisprecher in ihren Unfallberichten darauf verzichten, vorwurfsvoll mitzuteilen, der verunglückte Radfahrer habe keinen Helm getragen. In Dänemark und Holland fährt fast niemand mit Helm – und trotzdem ist man dort am sichersten, weil der beste Schutz für Radfahrer keine Plastikschale ist, sondern möglichst viele Radfahrer auf der Straße sind, die von Autofahrern wahrgenommen werden.
  15. ich selbst ruhiger werde, wenn ich wieder mal von einem Auto mit einem halben Meter Seitenabstand überholt wurde. Versprochen: Ich nehme mir nun wirklich vor, an der nächsten roten Ampel nicht mehr hinten rechts die Tür des Wagens zu öffnen, der mich gerade bedroht hat, und dann einfach weiterzufahren, damit ich nicht hören muss, wie der allein im Auto sitzende Fahrer „Arschloch“ ruft. Radfahrer sind halt auch nur Menschen.

Der Soundtrack von 2015

Fast wäre meine Jahres-Playlist zu spät gekommen, aber wir haben 2015 ja auch viel gelernt aus den Songs des Jahres. Etwa:

We walked these streets like kings, our faces in the wind. (Boy)

Gib dir mehr Zeit. (Tocotronic)

I’m afraid to be near you. (Sufjan Stevens)

Du bist aus Zucker. (Tocotronic)

Return to the moon, I’m dying. (El Vy)

Zu mir kannste immer wieder kommen. (Mia)

Don’t breathe out. (Roots Manuva)

They made you hate yourself. (Desaparecidos)

Das Viertel, das ist klein, doch der Horizont ist weit. (Zugezogen Maskulin)

There’s gonna be good times. (Jamie xx)

Hallo Süße, wie wär es mit uns beiden? Der große Limo-Test

Es ist nicht immer leicht, kein Bier zu trinken, weil Alkohol für einen Großteil unserer Gesellschaft wichtiger ist als Gott oder gar Fußball, wie ich hier versucht habe zu erklären. Wer nicht an Gott glaubt, wird Atheist, und wer Fußball nicht mag, kann Volleyball spielen. Aber was soll man trinken, wenn nicht den allgegenwärtigen Alkohol? Immer nur Wasser ist auf die Dauer auch langweilig. Man isst ja auch nicht nur trockenes Brot. Hier kommen einige Alternativen, die ich seit 25 Jahren einem Dauertest in der Praxis unterziehe – und anders als bei Volkswagen garantiert ohne Tricks und Schummel-Software. Einfach aus Freude am Trinken. Weiterlesen

Heute ein König – Eine Abrechnung mit der Diktatur der Säufer

 

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Als ich konfirmiert wurde, glaubte ich, ich könnte die Welt ein bisschen besser machen. In unserer Kirchengemeinde gab es einen trockenen Alkoholiker, der bei jedem Abendmahl ausgeschlossen wurde, weil es nur Brot und Wein gab. Ich habe dann die Pfarrerin in langen Diskussionen davon überzeugen können, dass es doch christlicher wäre, das Abendmahl mit allen Menschen des Dorfes zu feiern. Von diesem Tag an gab es in unserer Kirche nur noch Traubensaft statt Wein. Niemand musste mehr draußen bleiben.

Heute weiß ich, dass weder die Religion aus der Welt einen besseren Ort macht noch der Alkoholverzicht. Ich habe bis heute keinen Alkohol getrunken (außer einer halben Flasche Rotwein an einem Urlaubsabend am Ostseestrand mit meiner heutigen Frau vor mehr als 20 Jahren – aber das war der schlimmste Tag meines Lebens). Ich mache das nicht, weil ich Flugzeuge in Hochhäuser lenken will, sondern weil mir das Zeug einfach nicht schmeckt. Manchmal wünsche ich mir, ich hätte einen Geschmacksnervendefekt, dann könnte ich Bier statt Cola trinken, was sicherlich gesünder wäre – gerade am heutigen internationalen Tag des Bieres. Weiterlesen

Im Test: Chromebooks – die Fixies unter den Laptops

Mein Dell-Notebook mit Windows 7 ist mittlerweile so langsam, dass man nach dem Hochfahren noch sämtliche Fenster im Haus putzen, im Internet einen neuen Rechner bestellen und auf den Paketboten warten könnte – erst dann geht es mit dem Arbeiten los. Man kann sich aber auch nicht alle paar Jahre für viel Geld einen neuen teuren Computer mit großer Hardware-Ausstattung kaufen. In der Zeit, in der mein alter Laptop hochfuhr, habe ich darum mit dem Smartphone nach Alternativen gesucht und bin auf die Chromebooks von Google gestoßen, die günstiger, leichter, schneller und für die allermeisten Anwender besser geeignet sind – vorausgesetzt sie haben Internet-Zugang. Mein Erfahrungsbericht. Weiterlesen

Losing my Religion: Amazon-Kunden bewerten das Christentum

Nach dem schrecklichen Attentat von Islamisten auf die französische Satire-Zeitung „Charlie Hebdo“ kursierte eine Karikatur im Netz, die Gott zeigte. Er sagte: „An Tagen wie diesen wünsche ich mir, dass ich tatsächlich existieren würde.“ Gott ist wir wir alle ziemlich arm dran im Kampf der Kulturen, der sich zwischen Abend- und Morgenland gerade zuzuspitzen droht. Nicht erst jetzt stellt man sich die Frage, ob das mit der Religion an sich so eine gute Idee war. Ich habe deswegen die Kundenrezensionen bei Amazon durchforstet. Der Internethändler verkauft ja mittlerweile alles. Hier sind die interessantesten Bewertungen des Christentums (auf das ich mich beschränke, weil ich es selbst einmal ausprobiert habe). Weiterlesen

Der Soundtrack für 2014

Glaubt man Günther Jauch, der Süddeutschen Zeitung, Markus Lanz und dem Spiegel, müsste 2014 schon seit einem Monat zu Ende sein. Alle vier haben ihren Jahresrückblick bereits Ende November oder Anfang Dezember gesendet oder ans Kiosk gebracht. Es ist, als würde man beim Marathon schon bei Kilometer 38 ins Ziel laufen und sich feiern lassen. Der Schriftsteller Max Goldt hat dieses streberhafte Zufrühkommen schon vor fünf Jahren nicht verstanden, als er schrieb: „Ob 2009 ein ödes oder wichtiges Jahr war, vermag ich nicht zu sagen, schon allein deshalb, weil es noch gar nicht vorbei ist. Diese medialen Jahresrückblicke überall, in denen der Dezember fehlt, fand ich schon immer etwas befremdlich. Vermutlich denken die Rückblicker, in Dezembern passiere nie etwas, weil alle Welt nichts als das Weihnachtsgetöse im Kopf hat. Doch wer garantiert mir, dass ich nicht am 23.12. die beste Idee meines Lebens haben oder am 29.12. den wichtigsten Menschen meines Lebens oder zumindest des Jahres treffen werde?“

Es gibt also gute Gründe, warum meine Playlist mit den besten Liedern des Jahres erst heute hier erscheint. Dabei hat es kein Song des Mitte Dezember erschienenen Heino-Albums in meine persönlichen Top 25 geschafft. Andererseits weiß ich nach diesen unsäglichen Montagsdemos gegen die angebliche Islamisierung des Abendlandes nun ganz sicher, welches der wichtigste Song des Jahres ist: „Beate Zschäpe hört U2“ von der Düsseldorfer Antilopen Gang. Bevor ihr Pegida-Deppen der „Lügenpresse“ wieder was auf die „Fresse“ gebt, nehmt dies:

In jedem Provinznest gibt es ein paar Kneipen
Die irgendwas mit „Deutsch“, „Heimat“ oder „Adler“ heißen
An ihren Theken sitzen überall dieselben Hurensöhne
Sie fordern sowas wie den Volksentscheid auf Bundesebene
Du musst ein Deutscher sein, wenn du in diese Kneipen gehst
Und immerzu betonen, dass es den Deutschen scheiße geht
Sie würden überfremdet, weil Flüchtlinge kämen
Die alle kriminell sind und sich nicht benehmen
Es wär so schrecklich, denn Oma ihre Rente
Fällt nun angeblich irgendwelchen Roma in die Hände
Und aufgrund inländerfeindlicher Familienpolitik
Wünscht man sich Eva Hermann oder gleich Hitler zurück
Zwischen Schnaps und Bier wird der Hass geschürt
Der sich auf jeden Fall mit einem Knall entladen wird
Denn heute dreschen sie noch Stammtischparolen
Doch morgen haben sie Sprengstoff und scharfe Pistolen.

Diesen und 24 andere Songs von Ja, Panik, Caribou, The Notwist, OK Kid und vielen mehr gibt es hier.

Der Typ bringt’s doch gar nicht – Über den Weihnachtsmann

Manchmal bekomme ich einen Schrecken, wie groß unsere Tochter mit acht Jahren schon ist. Sie schaut zum Beispiel jeden Abend „logo“-Nachrichten im Kinderkanal und weiß sehr genau, dass die Klamotten, die es in der Stadt gibt, deshalb so billig sind, weil sie irgendwo in Fernost von Mädchen in ihrem Alter für einen Hungerlohn zusammengenäht werden. Und trotzdem glaubt sie auch in der dritten Klasse noch fest an den Weihnachtsmann und das ganze Adventspipapo.

Sie hat wie jedes Jahr einen Wunschzettel geschrieben und sich über den Nikolaus gefreut, der ihren Stiefel nachts mit Süßigkeiten gefüllt hat. Außerdem ist sie fest davon überzeugt, dass die Kiste mit Weihnachtsbüchern, die meine Frau Anfang Dezember heimlich vor die Haustür gestellt hat, tatsächlich von den Wichteln dort deponiert wurde. Sie hält es auch für selbstverständlich, dass die Wichtel die Lektüre Anfang Januar wieder abholen. Weiterlesen

Der November ist gar nicht so schlimm: Eine Playlist für den Herbst

Bislang war der November ja auch nicht mehr das, was er mal war: Die Sonne schien, die Menschen trugen T-Shirts, um allen ihre tätowierten Arme zu zeigen, und einige hatten sogar schon Frühlingsgefühle. Gott sei Dank regnet es heute wieder den ganzen Tag. Es ist neblig und kühl. So muss ein November sein. Man kann durch den Wald laufen, ohne dass alle Wege nach Tosca oder der neuesten Kreation von Calvin Klein stinken, weil die Menschen in der Regel ihre Wohnungen an solchen Tagen nicht verlassen.

Wer immer noch glaubt, der November sei der schrecklichste Monat, der sei auf die Statistik verwiesen, nach der die meisten Suizide im Mai begangen werden, der gemeinhin als schönster Monat gilt. Der November ist viel besser als sein Ruf. Der Schriftsteller Simon Borowiak schrieb sogar mal: „Wenn man eine Jahreszeit heiraten dürfte, nähme ich sofort den Herbst.“

Natürlich ist es keine einfache Liebe mit dem Herbst. Seine Dunkelheit kann einem ganz schön aufs Gemüt schlagen. Darum habe ich eine November-Playlist zusammengestellt mit 25 Liedern, die so traurig und wehmütig klingen wie ein vernieselter Sonntagmorgen im November. Wer die Playlist bis zum Ende durchhört, wird mit Sicherheit ein glücklicherer Mensch sein, denn minus mal minus gibt plus.